Wie Banken ihr Eigenkapital durch Geldschöpfung erhöhen

Immer, wenn ich anhand meiner isländischen Fallbeispiele den Zusammenhang von »Geldschöpfung«, Eigenkapital und Finanzsystemkrise erläutere, bekomme ich viele neugierige Nachfragen. Das Themenfeld stößt offenbar auf großes Interesse. Ich habe mich deshalb entschlossen, diesen speziellen Aspekt meiner Forschungen zum gegenwärtigen Geldsystem und zu den Ursachen von Bankkrisen etwas detaillierter aufzuarbeiten.

Aufsatz und Konferenzvortrag in Arbeit

Noch in diesem Jahr möchte ich einen kurzen Aufsatz vorlegen, der meine diesbezüglichen Forschungsergebnisse zusammenfasst. Der Aufsatz dient gleichzeitig auch dazu, meine in Arbeit befindliche Dissertation inhaltlich etwas zu entlasten. Im Folgenden dokumentiere ich meinen akzeptierten Beitragsvorschlag für die 1. Europäische Modern Monetary Theory Konferenz, die am 1. und 2. Februar 2019 in Berlin stattfinden wird. Der Vortrag hat den Arbeitstitel Wie Banken ihr Eigenkapital durch Geldschöpfung erhöhen und warum das ein großes Problem für die Finanzmarktregulierung ist.

Abstract

Deutlich höhere Eigenkapitalquoten würden Banken krisenfester machen. So ähnlich lauten viele Empfehlungen zur Finanzmarktregulierung. Abgesehen davon, dass es einige bekannte Wege gibt, den konkreten Eigenkapitalbedarf gezielt herunterzurechnen, stellt sich die Frage, wie wirksam eine auf Eigenkapital orientierte Regulierung sein kann, wenn sich Banken mit geldschöpfungsbasierten Transaktionen eben dieses zusätzlich benötigte Eigenkapital quasi selbst erzeugen können?

Gut dokumentierte Fallbeispiele aus Island, der Schweiz und Großbritannien illustrieren, welche Optionen es gibt. Mithilfe bilanzieller Analysen zeige ich, wie diese funktionieren und welche Auswirkungen sie haben. Ob Überkreuzbeteiligungen, Überkreuzgeschäfte oder Insiderkredite an eigene Investoren – Banken sind vielfach kreativ darin, höhere Solvabilität und damit Risikopuffer vorzugaukeln, während sie tatsächlich Instabilität fördern. Solche Arten von Transaktionen mögen unglaublich und ethisch höchst anrüchig erscheinen, sind aber bisweilen legal. Typischerweise werden sie erst nach einem Crash, wenn es längst zu spät ist, entdeckt. Das ist die kaum bekannte traurige Realität.

Meine polit-ökonomische Analyse endet mit einem Blick auf das finanzsoziologische Problemfeld, inwieweit immer undurchsichtigere Unternehmensverflechtungen mit geldschöpfenden Banken in ihrer Mitte als eine Art Bereicherungszirkel begreifbar sind.

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