Themenvorschläge rund ums Geld

Hier finden Sie eine Auswahl an Veranstaltungsideen, die verschiedene Themen rund ums Geld in Theorie, Praxis, Geschichte und Politik behandeln. Alle Veranstaltungen sind wissenschaftlich und historisch fundiert, realitätsbezogen und verständlich aufbereitet. Bei politischen Themen wird eine gemeinwohlorientierte Perspektive eingenommen.

1. Geld in Theorie, Praxis und Fiktion

1.1. Wenn es mehr Essensgutscheine als Essen gibt:
Wie (und für wen) funktioniert unser heutiges Geldsystem?

Im Rahmen dieser grundlegenden Einführungsveranstaltung werden die wesentlichen Strukturmerkmale und Funktionsprinzipien unseres Geldsystems allgemeinverständlich erklärt und die unterschiedlichen Geldarten, Geldkreisläufe und Akteursebenen anschaulich dargestellt. Dabei spielen selbstverständlich auch die drei gesellschaftlich höchst relevanten Fragen eine Rolle, wer welches Geld herstellt, wer davon profitiert und wer im Notfall die Risiken trägt.

1.2. Was ist »Geld«? Zum Ideenstreit der Waren- und Kredittheorie

Seit Jahrhunderten streiten Ökonom*innen über die Natur und das Wesen des Geldes. In der universitären Volkswirtschaftslehre und schulischen Wirtschaftskunde dominieren noch immer ahistorische Fantasiemodelle, die vom originären Tauschhandel und reinen Warengeld ausgehen und deswegen Geld und Banken als neutral ansehen. Demgegenüber existiert die Kredittheorie, die noch vor dem Finanzsystemcrash von 1929 sehr weit verbreitet war, mittlerweile aber von den Zentralbanken wieder entdeckt wurde. Doch ist es zielführend und erklärungsmächtig, sich wie die allermeisten Geldtheoretiker*innen nur auf eine der beiden Reinformen zu konzentrieren?  Diese ideengeschichtliche Veranstaltung versucht, darauf eine Antwort zu geben.

1.3. Populäre Mythen und Irrtümer rund um Geld und Banken

Du denkst, dass eine Bank ein Parkhaus für Geld ist und das Geld ihrer Kund*innen verleiht? Oder dass das weit verbreitete »Geldmultiplikator«-Modell den realen Gegebenheiten in einem Praxistest standhält? Zweifelst Du, wenn Geld als Fortentwicklung des umständlichen Tauschhandels Ware A gegen Ware B angepriesen wird? Nimmst auch Du es unhinterfragt hin, wenn eine Autorität behauptet, Zentralbanken seien »unabhängig«? Etc. pp. Dann wird Dir dieser Kurs die Augen öffnen und auf neuestem Forschungsstand zeigen, wie die Realität tatsächlich aussieht.

1.4. Zentralbanken: Entstehung, Aufbau, Aufgaben und Politik

Nach einem Überblick zu verschiedenen Zentralbanktypen wird auf ausgewählte Beispiele wie die Deutsche Bundesbank, die Europäische Zentralbank, die Bank of England oder das Federal Reserve System der USA eingegangen.

2. Macht, Politik & Soziales

2.1. Monetäre Souveränität und ihre sozialen Auswirkungen:
Zum Kampf um die Geldhoheit in der Geschichte

Wie entstand unser gegenwärtiges öffentlich-privatkapitalistisches Geldsystem? Diese Erkenntnis leitende Frage wird anhand der großen finanzhistorischen Kontinuitäten, Auseinandersetzungen und Brüche beantwortet. Unter Berücksichtigung der jeweiligen zeitlichen und politischen Kontexte wird außerdem auf die drei gesellschaftlich höchst relevanten Fragen eingegangen, wer welches Geld herstellt, wer davon profitiert und wer im Notfall die Risiken trägt.

2.2. Die globale Finanzsystem- und Staatsschuldenkrise:
Ursachen und Zusammenhänge

Beschreibung folgt…

2.3. Reif für die Insel? Wie Island die größte Finanzsystemkrise seiner Geschichte überwand und was uns das lehren kann

2008 brach nahezu das gesamte isländische Bankwesen zusammen. Der Traum vom allgemeinen Reichtum durch Spekulation und immer größere Kredithebel war zerplatzt, das Vertrauen in die Eliten dahin. Daraufhin erlebte der kleine Inselstaat die wohl stärksten und folgenreichsten Massenproteste (»Kochtopf-Revolution«), aber auch die unorthodoxesten Krisenantworten in Europa. Rasch erholte er sich vom Finanzcrash, während die Eurozone auch weiterhin auf Kürzungsorgien, Austerität, Bankenrettung und Demokratieabbau setzt, ohne dass sich wirtschaftlicher und sozialer Aufschwung abzeichnet. Wie sah die Situation in Island aus? Was machte man dort anders und was waren die Resultate? Aber es ist auch keine Insel der Glückseligkeit, denn nicht alles ist Gold, was aus der Ferne glänzt.

3. Reformen & Alternativen

3.1. Alternative Geldsysteme im gesellschaftskritischen Vergleich

Unser heutiges Geld- und Finanzsystem ist weder alternativlos, noch fehlt es an denkbaren Alternativen. Die wissenschaftliche Diskussion bewegt sich weitestgehend auf dem Kontinuum zwischen vollständiger Privatisierung des Geldwesens, also »Free Banking«, und vollständiger Wiederverstaatlichung der Geldherstellung in Form von »Vollreserve-Banking« oder »Vollgeld«. Diese drei Varianten werden anhand verschiedener struktureller und funktioneller Aspekte kritisch verglichen. Demokratie- und verteilungstheoretische Reflexionen runden dabei den gerafften Überblick ab. Zur Vorbereitung empfiehlt sich meine Veranstaltung zur Funktionsweise des heutigen Geldsystems. Zum »Vollgeld« biete ich auch eine Vertiefung an.

3.2. Das Geld der Zukunft – krisensicher, schuldfrei, staatlich? Einführung in Theorie und Kritik des »Vollgeldes«

Siehe dazu meinen entsprechenden Blogartikel.

3.3. Neue Spielregeln fürs Geld:
»Demokratische Geldordnung« und »Gemeinwohlökonomie«

Die »demokratische Geldordnung« ist als Teilbereich der »Gemeinwohlökonomie« ein politisches Konzept, das auf den politischen Aktivisten Christian Felber zurückgeht, der zu den prominentesten Vordenkern der Globalisierungskritik gehört und Mitbegründer des österreichischen Ablegers von attac ist. Geldtheoretisch fußt es auf dem »Vollgeldsystem« nach Huber et al. Felbers Ansatz und Konzept wird vor allem im Umkreis gesellschaftskritisch denkender Menschen diskutiert, die sich für mehr Gemeinwohl, soziale Gerechtigkeit, Solidarität, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und ethische Reflexion einsetzen und deshalb nach Lösungsstrategien suchen, um den herrschenden Finanzkapitalismus und das ewige Wachstumsdogma zu überwinden. Einige Praxisbeispiele existieren bereits.

3.4. Finanzsystem- und Staatsschuldenkrisen verhindern:
Einige gemeinwohlorientierte Lösungsideen

In dieser Überblicksveranstaltung werden nicht nur Ideen zur Finanzmarktregulierung und Geldordnung diskutiert, sondern auch Fragen des Renten- und Steuersystems, der Wohlstandsverteilung, der politisch-kulturellen Leitideen, der demokratischen Mitbestimmung und der ökonomischen Bildung.

3.5. Wenn Geld vom Himmel fällt:
»Geld drucken« für Banken oder »Helikopter-Geld« für alle?

Zur Einführung wird die expansive Geldpolitik der Zentralbanken, das so genannte »Quantitative Easing«, in Theorie und Praxis dargestellt. Warum pumpt die EZB Milliarden an Euro in die Finanzmärkte, wo Banken, Konzerne und Spekulant*innen über deren weitere Verwendung entscheiden? Was erhofft sich die EZB von ihrer Niedrigstzinspolitik und ihren Ankaufprogrammen und was bewirken sie in der Realität? Wie sieht es demgegenüber mit der von einigen sozial bewegten Kritiker*innen geforderten Alternative des »Helikopter-Geldes« aus – und was ist das überhaupt?

3.6. Zahlen wir in Zukunft (auch) mit digitalem Zentralbankgeld?

Ein heutzutage weit verbreitetes Zahlungsmittel neben Münzen und Zentralbanknoten ist das von den Banken hergestellte »Giralgeld«, das durch die Zahlen für Gutschriften und Abbuchungen auf unseren Girokontoauszügen repräsentiert wird. Es ist jedoch weder gesetzliches Zahlungsmittel noch krisensicher. Überhaupt sind alle Giro- und Spareinlagen von der Bonität der Bank abhängig. Auch deshalb denken viele Zentralbanken seit einigen Jahren über digitales Zentralbankgeld für den Publikumsverkehr nach. Die Schlagworte sind »digital cash« und »digital currency«. Doch was würde das im Vergleich zum Status quo bedeuten? Welche Vor- und Nachteile gäbe es für wen? Wie ist der Stand der Debatte und warum führt man sie gerade jetzt?

3.7. Bargeld abschaffen? Hintergründe, Mythen, Probleme und Konsequenzen für Demokratie und Ökonomie

Bedeutende Lobbyisten wollen das Bargeld so schnell wie möglich abschaffen, oftmals ohne Rücksicht auf soziale und politische Verluste und mit den abenteuerlichsten Begründungen. Debatten um Obergrenzen, den 500-Euro-Schein und eine Kriminalisierung zeugen davon. Die Gemengelage ist allerdings hochkomplex und unübersichtlich, selbst für Fachleute. Denn von Interessen geleitete Manipulationen gibt es auf beiden Seiten. Deshalb ist es Zeit, Hintergründe, Mythen, Probleme und Konsequenzen für Demokratie, Finanzsystem und Gesellschaft kritisch zu beleuchten. Eine Einordnung in die historische Entwicklung des modernen Zahlungsverkehrs darf dabei ebensowenig fehlen wie eine Dekonstruktion der viel zitierten Metapher vom »Krieg gegen das Bargeld«.

 

Stand: 25.03.2017

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