Alles über das Weblog GeldMachtReformen

Das Geld muss dienen und nicht regieren!
— Papst Franziskus (2013): Evangelii Gaudium, Punkt 58

»Geld ist Macht« oder »Geld regiert die Welt«, heißt es bekanntermaßen im Volksmund. In Gelehrtenkreisen wirkt es hingegen stilvoller, aus der viel gelesenen und vor einem halben Jahrtausend veröffentlichten »Adagia« des niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam zu zitieren: »Auro loquente ratio quaevis irrita est« – auf Deutsch: »Wenn Gold spricht, ist jedes Mittel vergeblich«.[1] Bei diesem Werk, einer kommentierten Sammlung uralter Weisheiten und Sprichwörter, schwingt jedenfalls gleich die Aura vermeintlich unumstößlicher Erkenntnisse aus der griechisch-römischen Antike mit. Diese vorgeblichen Weisheiten mögen banal und intuitiv klingen, aber stimmen sie deswegen auch?

[1] Dieses Zitat gibt es laut Adagia 3,3,16 auch in der Variante »Auro loquente nihil pollet quaevis oratio«. Gebräuchlicher ist jedoch das sinngleiche »Auro loquente omnis oratio inanis est« – »Wenn Gold spricht, ist jede Rede nutzlos«.

Motivation: Warum braucht es GeldMachtReformen?

In breiten Teilen der Bevölkerung gehen solche Sprüche jedenfalls einher mit einem fatalen Falsch- und Unwissen über das hochkomplexe Wesen und die verworrenen Zusammenhänge von »Geld« und »Macht«. Viel Mythenbehaftetes konnte sich deshalb in den Köpfen der Menschen einnisten. Viel zu Vielen erscheint viel zu Vieles als naturgegeben und nicht beeinflussbar. Trotz der vielfach gefühlten Ohnmacht angesichts der realen Geld-, Fiskal- und Verlustsozialisierungspolitiken wäre diese Einstellung grundfalsch. Es gab und gibt Alternativen, die zu debattieren sich unter demokratischen, sozialen, wachstumskritischen und ökologischen Gesichtspunkten immer lohnt.

Überhaupt umreißt der von den Schlagworten Geld, politische Macht und Geldalternativen markierte Themenkomplex einen in den Wirtschafts-, Sozial- und Geisteswissenschaften bis heute viel zu stark vernachlässigten Forschungsbereich. Selbst nach der jüngsten Finanzsystemkrise spielen »Geld«, »Macht« und sozial- wie umweltverträgliche Alternativen in der vorherrschenden Wirtschaftslehre mit ihren mathematischen Modellen und ihren religiös anmutenden Mantras kaum eine Rolle. Diese akademischen Defizite und Fantasielosigkeiten haben verschiedene Gründe. Dagegen wenden sich beispielsweise die vielen aktiven Vertreter*innen einer »pluralen Ökonomik«.

Auch in der Schulzeit wird das komplexe Thema »Geld« ausgeblendet. Sofern politisch-finanzökonomische Bildung überhaupt auf dem Lehrplan steht, geraten Lehrer*innen bei der Suche nach Unterrichtsmaterial nicht selten in die Fänge von Vorfeldorganisationen starker Wirtschaftslobbyverbände oder von Vermögensberater*innen, die ehrenamtlich als »Geldlehrer« die für sie relevanten Fragen und Hintergründe vortragen. Dadurch werden mehr Mythen und der Finanzbranche zweckdienliche Betrachtungsweisen vermittelt als wissenschaftlich belegte Fakten und am Gemeinwohl orientierte Bewertungen.

All das schafft wiederum Raum für Rattenfänger*innen mit ihren kruden, simplifizierenden, verschwörungsideologischen und/oder rassistischen Welterklärungen und Geschäftsmodellen. Sie tummeln sich besonders in der vielfältigen Medien- und Bloglandschaft.

Da ein stabiler, wertbeständiger Geldkreislauf allerdings von so grundlegender Bedeutung für das menschliche Zusammenleben und das Funktionieren der modernen Wirtschaftsprozesse ist, wiegen die skizzierten Forschungsdesiderate umso schwerer. Das gilt erst recht angesichts der jüngsten globalen Finanzsystemkrise mit ihren oftmals verheerenden sozio-ökonomischen Auswirkungen und menschlichen Tragödien.

Sinn und Zweck: Wozu gibt es GeldMachtReformen?

Was folgt daraus? Aus der dargestellten Situationsanalyse folgt meiner Meinung nach, dass es dringend notwendig ist, die Methode »Sesamstraße« auf unser Geldsystem anzuwenden. Und zwar in seriöser und am Gemeinwohl orientierter Art und Weise. Fragen wir also wieder unbedarft wie Kinder – oder gute Historiker*innen 😉 »Wer? Wie? Was? Wieso? Weshalb? Warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!«

Genau hier möchte ich mit meinem Blog GeldMachtReformen ansetzen. Im Sinne einer »offenen Wissenschaft« dient es als Plattform zur Vernetzung und dialogbasierten Kommunikation zwischen Wissenschaft, erweiterter Fachwelt und interessierter wissenshungriger Öffentlichkeit. Ich wünsche mir durchaus Denkanstöße in beide Richtungen und freue mich auf einen bereichernden und verständigungsbreiten Austausch. Die allgemein üblichen Ansprüche an einen fairen Umgang setze ich voraus. Grundsätzlich ist das Blog auch offen für substanzielle Gastbeiträge.

Gleichzeitig soll dieses Webprojekt aber auch forschungsbasierte Erkenntnisse und Grundlagenwissen mit kritischer politisch-ökonomischer Bildung zusammenbringen. Schauen Sie sich doch dafür am besten gleich meine individuellen Veranstaltungsangebote an.

Wenn Sie mehr zu den Hintergründen von GeldMachtReformen erfahren wollen, dann lesen Sie bitte auch meinen ersten Blogbeitrag.

Themen: Worüber bloggt GeldMachtReformen?

Das Blog thematisiert aus staats- und geschichtswissenschaftlicher, aber auch aus ordnungspolitischer Perspektive

  • Geld“ als Gemeingut und Forschungsproblem,
  • Macht“ als soziales Phänomen und Schlüsselbegriff der Politikwissenschaft,
  • sowie entsprechende Reformvorschläge.

Das umfasst wirtschaftstheoretische Fragen rund um »Geld«, »Kredit«, »Zins« und »Schulden« ebenso wie politikwissenschaftliche und soziologische Fragen rund um »Macht«, Interessen, Repräsentation, Legitimation und Verantwortlichkeit. Je ganzheitlicher und historisch fundierter der Ansatz dabei ist, umso besser.

Viele spannende Fragen warten nur darauf, beantwortet zu werden. Dazu gehören: Wie funktioniert unser gegenwärtiges Geld- und Finanzsystem und inwieweit ist es (demokratisch) legitimiert? Welche Vor- und Nachteile hat es – und für wen? Bildet die Theorie über ein politisches oder monetäres System dessen konkrete Ausprägung realitätsbezogen ab? Was sind einflussreiche Akteure und Netzwerke; welche Interessen verfolgen sie? Wie steht es um Mensch, Umwelt und Gemeinwohl im real existierenden Finanzsektor? Warum kommt es immer wieder zu Spekulations-, Banken- oder Finanz(system)krisen? Welche charakteristischen Merkmale hatten bisherige Finanzkrisen und wie wirkten sie sich auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft aus? Wie entwickelte sich das Verhältnis von »Geldschöpfung«, »Schulden«, »Zins«, »Reichtum«, »Macht« und »Demokratie« in der Geschichte? Welche bedeutenden alternativen Geldordnungsvorstellungen und Reformforderungen gibt es? Wie sind sie zu bewerten, welche Mythen und blinden Flecken weisen sie ggf. auf? Wer propagiert sie, wann, wie und warum? Woran scheiterten frühere Reformversuche in Krisenzeiten?

Außerdem – und anfangs sicherlich primär – möchte ich unter der Domain GeldMachtReformen regelmäßig über den Fortgang meines Promotionsprojektes berichten. Dabei stelle ich nicht nur Zwischenergebnisse zur Diskussion, sondern kommentiere auch politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse im Forschungsumfeld. Selbstverständlich finden Sie hier auch interessante Hinweise auf Quellen und Darstellungen.

Macher: Wer gibt GeldMachtReformen heraus?

Enrico Schicketanz, M.A.Verantwortlich für das Weblog zeichnet Enrico Schicketanz, M.A., Historiker, Sozialwissenschaftler und Bildungsarbeiter aus Potsdam. Zur Zeit promoviere ich an der Universität Erfurt im Rahmen eines Forschungsclusters über das Spannungsverhältnis von (staatlichem) Geld, Macht und Demokratie.

Wenn Sie mehr über mich, meine Arbeit, Themen und Angebote erfahren wollen, besuchen Sie bitte auch meine primäre Webpräsenz. Informieren Sie sich dort über meine Forschungsaktivitäten, meine vielfältigen Angebote zur politischen Bildung und mein ethisches Selbstverständnis. Ebenso können Sie dort in vielen weiteren Artikeln stöbern.

Finanzen: Jede Spende hilft GeldMachtReformen!

Ein Weblogprojekt wie GeldMachtReformen aus der Taufe zu heben und sowohl infrastrukturell als auch inhaltlich am Laufen zu halten, idealerweise möglichst noch auszubauen, benötigt viel Kraft, Zeit und auch Geld. Das gilt vor allem in einer Wissenschaftslandschaft, die im internationalen Vergleich unterhalb der Professur zumeist von prekären Beschäftigungsverhältnissen geprägt ist.

Ich freue mich deshalb über jede gut gemeinte Spende oder anderweitige Unterstützung!

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